Die Geschäftsführer von SEHW Architektur, Xaver Egger und Hendrik Rieger.

Haltung

Wie leben wir, und wie wollen wir in Zukunft leben? Diese Frage treibt Sehw täglich um. Für Prof. Xaver Egger, den Gesellschafter von Sehw, der dieses Schwerpunktthema auch an der Hochschule Bochum und an der German University of Technology in Muscat, Oman, unterrichtet, geht es um die Haltung zu dieser relevanten Frage. So spannt sich der Bogen von den demografischen Fragen, gesellschaftlichen Themen und politischen Debatten unserer Zeit wie etwa Migration, schrumpfende versus zu schnell wachsende Städte, das Altern der Gesellschaft, Untersuchung zu Trends, Strömungen und Verhaltensweisen über Analysen bis hin zur konkreten Entwicklung und Gestaltung von Projekten einschließlich ökonomischer und strategischer Betrachtungen.

„von den demografischen Fragen, gesellschaftlichen Themen und politischen Debatten unserer Zeit zum konkreten architektonischen Projekt“

Im Endeffekt steht die Frage: Wer nutzt letztendlich die Gebäude, die wir schaffen? Und im größeren, gesamtgesellschaftlich orientierten Ansatz: Wie sieht das Zusammenleben der Zukunft aus? Wie prägen Menschen Räume und Räume Menschen?

„Architektur als seed bomb mitten hinein in die gesellschaftliche Zukunft“

Die Landschaft der Auftraggeber ist bei Sehw ebenso vielfältig wie die architektonischen Lösungen und so suchen sowohl private Kund*innen als auch die öffentliche Hand, sowohl Investoren als auch Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen bei Sehw nach jeweils individuellen, spezifisch innovativen Umsetzungen an spezifischen Orten, ohne das Ganze aus den Augen zu verlieren. So gelingt die „Anpflanzung“ eines neuen Projektes und so nährt es in der Folge auch seine Bewohner, die darin leben, lernen, gedeihen und wachsen können, mitten hinein in die gesellschaftliche Zukunft.

Nachhaltigkeit – irgendwo zwischen Zauberwort, Unwort und Haltung. Haben sich bisher Kameralistik bzw. Investment durchgesetzt, rückt nun der Lebenszyklus des Gebäudes in den Fokus. Die große Frage dabei: Wie sieht nachhaltige Architektur aus, gibt es so etwas wie eine Ästhetik der Nachhaltigkeit?

In Essen plant sehw zwei sehr unterschiedliche Schulen. Die Gustav-Heinemann-Gesamtschule, ein großes Ensemble aus vier Gebäuden, verbunden durch eine kommunikative „Schulstraße“, nach den Kriterien des BNB als Passivhausstandard geplant und realisiert und die Erweiterung der kleinen kiezgeprägten Andreas-Grundschule. Letztere wird mit einer bewegten Dachlandschaft aus vorgefertigten Holzelementen gebaut und ist damit ökologisch in der Materialwahl und ökonomisch durch eine sehr kurze Bauzeit und minimalen Einschränkungen des Schulbetriebs.

„Für eine Ästhetik der Nachhaltigkeit in der Architektur!“

Während in Essen die Bauarbeiten noch in vollem Gange sind, entsteht in Berlin bereits der fünfte Wohnungsbau von sehw als Holzsystembau. Zuletzt wurde ein modernes Wohngebäude mit 26 Wohnungen errichtet, zwei weitere Holzbauten sind im Bau. Dabei ist der Ansatz bei diesem Gebäude in der Mühlenstraße in Berlin Pankow nicht nur die Verwendung eines grünen Baustoffs, sondern vertical farming als integraler Bestandteil. Aus einer Eigentümer*innengemeinschaft wird eine urbane Gemeinschaft, die mitten in der Stadt ihr eigenes Gemüse und Obst erntet.

Einen anderen Schwerpunkt der Nachhaltigkeit verfolgt der Entwurf für einen Neubau im Innovationspark Augsburg. Er zeichnet sich durch seine hohe Nutzungsflexibilität aus, die das Leben moderner Stadtgesellschaft abbildet mit Trends wie new work, work life balance durch eine Kita, Gastronomie und Events. Mit angestrebter LEED-Platin-Zertifizierung denken die Architekten schon während der ersten Planungsphasen an das zweite oder dritte Leben des Gebäudes.